Wilde Schönheit der Karpaten…

Die Zeit und die Kilometer vergehen wie im Fluge… und wir sind heute schon in Ungarn angekommen.
Na ja das war vor paar Tagen… mein Internet war aus und es ist einfach zu heiss zum schreiben und denken, ich glaube die Hitze schwemmt mir grad paar graue Hirnzellen aus 😂!
Je mehr wir in Polen südlicher kamen, wurden leider die Plätze auch wieder schmutziger. Einfach schade, da waren wir ja vom Baltikum verwöhnt.
Die Gärten in den Dörfern waren in Südost Polen und der Slowakei zwar sehr gepützelt und nicht gerade unser Geschmack… jeder wollte den Nachbarn übertreffen und die meisten, schöner gestutzten Bäumchen und Büsche im „Golfrasen“ stehen haben… natürlich geometrisch ausgemessen angepflanzt… na ja, jedem das Seine!

Übrigens tut unser Kühlschrank seine Dienste wieder… nicht ganz zuverlässig, wir müssen regelmässig kontrollieren und bei Bedarf neu zünden, aber er kühlt wieder besser als nach jeder Reparatur in den verschiedenen Womo Werkstätten! Danke Jörg! Er hat sich liebenswürdig unserer Monschterburg angenommen und Kühlschrank und einige andere Mängel in Ordnung gebracht.
Anja und Jörg mit Hund Rudi, Kater Moritz und Hippo Magirus Deutz (ein Fahrzeug meiner Träume😍), wieder zwei nette Womo Bekanntschaften, die wir sicher irgendwann… irgendwo mal wieder treffen werden.

Irgendwie zog es uns schnell weiter, wir haben noch paar reizende Übernachtungsplätzchen gefunden, in der Slowakei genoss ich das Fahren über die Bergstrecke der Tatra, wir übernachteten an Bergseen und Flüssen… leider ohne die kühlenden Fluten nutzen zu können, denn es war ziemlich eklig was da so rumlag, Janosch fing sich gleich 2 grosse Angelhaken mit Blei und Schnur ein, zum Glück nur in den Rutenhaaren verhakt.

Eine schöne Überraschung war die Nachricht, dass mein Sohn Michael und seine Frau Gabriela bei ihrer Töffurlaubstour ganz in der Nähe sind und wir uns nächstens kreuzen werden.
So machten wir einen Treffpunkt bei Betliar, Slowakei, aus und gingen im einzigen, aber mega feinen Lokal im Dorf Essen. Ein wunderschöner Abend, es gab viel zu erzählen, wir hatten uns ja schon länger nicht mehr gesehen und bis zum nächsten Mal nach dem Überwintern in Griechenland vergehen noch paar Monate.

Heute sind wir nun in Rumänien gelandet. Bei der Tankstelle nach dem Zoll bin ich die RoVignette lösen gegangen, in der Zeit erlebte Sigi den ersten negativen Zwischenfall. Eine junge Romafrau mit Kinderwagen flitzte heran, riss die Beifahrertür auf und entnahm die Wasserflasche, Sigi riss die Türe zu und drückte schnell den Schliessknopf. Die Freche versuchte es noch bei den andern Türen und schlug die Flasche gegen das Womo.

Und nun sind wir mal “ Normale Camper“, verbringen zwei Tage auf einem kleinen, netten Familiencamping, haben Markise, Sonnensegel, Tisch und Stühle draussen und waschen unseren riesigen Berg Schmutzwäsche, sieben Maschinen. Seit Riga haben wir keinen Self Waschsalon gefunden. Nun war es dringend nötig!
Alle Vierpfoter liegen wie tot im Schatten rum, nur der kleine Kater bewegt sich zwischendurch mal in einer Actionphase und spielt herum.
2x zwang uns ein Gewitter, die Wäsche vor erneutem Spülgang zu retten und alles auf den kleinen Wäscheständer unter die Markise zu hängen.
Am 2. Abend verwöhnte uns die Campingplatzbesitzerin mit leckeren einheimischen Spezialitäten, dazu ein selbstgebrannter Kartoffelschnaps und später einen feinen Zwetschgenkuchen mit Früchten aus dem Garten.
Obwohl wir Campingplätze ja sonst meiden, fühlten wir uns sehr wohl bei den Beiden… Er Franzose, Sie von dort. Der Camping erst vor 3 Monaten eröffnet und mit Herz gestaltet. Gestern sind wir dann weiter, los in die Berge… eigentlich wollten wir an einen See, dort konnte man aber nirgends mit Womo schön stehen und für unsere Viecher wär es auch nicht lustig, so nah an der Strasse. Der einzige eigentlich nette abgelegene Platz war so verdreckt, dass wir diesmal keine Lust hatten zu sammeln.
So fuhren wir weiter die 183 den Berg hinauf… im Winter die Abfahrtstrecke für Skirennen 😂… und zuoberst dann die Überraschung… Baustelle-Passübergang gesperrt 😡also alles wieder runter, Berg umfahren und andere Seite wieder hoch.
Die Strecke war aber herrlich, wie gemacht für unsere Bergziege Monschterburg. Die Gegend wurde Traumhaft, wir fühlten uns zig Jahre zurück versetzt. Da ist Landwirtschaft noch Handarbeit, Sense und Rechen, Brückenwagen fürs Heufuder… wie damals auf unserem Bergbauernhof auf Lavrius Surselva Graubünden.
Auf allen Wiesen waren Heinzen aufgestellt und offene Schober mit Dach waren voll Heu.
Wo die Häuser im Flachland unten meist gemauert und hübsch in allen Farben bunt gestrichen waren, sind sie in der Berggegend Marmarosch viel aus Holz, in Blockbauweise nach alter Art gebaut, viel mit Holzschindeln, Hofeinfahrtstore mit kunstvoll geschnitzten Rahmen und Türen und so ganz gegen meinen Geschmack, wirklich wunderschöne Holzkirchen! … einfach einzigartig. Nur schade sind die Strassen ohne Ausweichstellen oder Parkplätze und so schlecht, viel befahren und eng, dass ich nicht anhalten kann zum fotografieren. Die Bilder bleiben aber in unserer Erinnerung verankert!
Wir kommen noch an einem Touristischen Ort vorbei, mit Wasserfall, Wasserrad, Restaurant, Souvenir Stände, kunstvoll gemacht …aber ein Rummel.
Weil es so heiss ist können wir ja nie länger parken und die Hunde im Womo lassen und somit verpassen wir einige Sehenswürdigkeiten.
Unseren Schlafplatz haben wir aber immer noch nicht gefunden, dafür gut und traditionell gegessen… für 12 € zusammen inkl. Getränk.
Auf Gogglemaps hat Sigi was gefunden an der 185, eine weisse Strasse, am Grenzfluss zur Ukraine, der Theiß. Unterwegs hält uns ein Autofahrer an und fragt wohin wir wollen… wir müssten wenden.. nach 5 km sei Ende der Strasse. Nun wir versuchtens trotzdem, mit dem Erfolg, dass wir nach einer Feldwegfahrt an idyllischen Feldern vorbei, wirklich nicht mehr weiter konnten und die Strecke zurück mussten.
Irgendwann waren wir auch wieder auf der Hauptstrasse, es wurde dunkel und immer dunkler, Strassenlaternen ein Fremdwort, genau so wie Beleuchtung von Baustellen, Löchern in der Strasse, etc. die vielen Pferdefuhrwerke, Velofahrer und dunkel gekleideten Fussgänger, uralte landwirtschaftliche Maschinen hatten natürlich auch weder Licht noch Katzenauge. Eine anstrengende, abenteuerliche eher schon kriminelle Fahrt… ich schleppte eine Riesenautoschlange hinter mir her, denn zum Ausweichen und Vorlassen fehlte die Möglichkeit. Viele Rumänen fahren auch wie Kamikaze Geschosse. Rot beim Lichtsignal, doppelte Sicherheitslinien, Überholverbot
u.s.w. sind nur als Empfehlung gedacht und Streifenpolizisten am Strassenrand sind wahrscheinlich nur zur Zierde da.
Ich war jedenfalls froh, als wir das Städtchen Viseu de Sus und somit den Übernachtungsparkplatz beim Dampfeisenbahn Museum/Bahnhof, Mocãnita erreichten.
Hier waren schon paar Womos und ein Rudel Strassenhunde, die bellend ihr Revier verteidigten… ein Spiessruten Pippi Laufen mit unseren Vier, Castello hatte Leinenzwang☹️.
Am Morgen schon früh reger Betrieb und Lärm. Rauch lag in der Luft und nebelte uns ein, die Dampflock wurde eingeheizt. Der Parkplatz füllte sich mit Autos und fröhliche Menschen freuten sich auf die Dampffahrt. Täglich um 9 Uhr fährt der Zug eine fast 6 Stündige Ausfahrt mit Touristen.
Wir haben unser Frühstück auf der Bank genossen und fuhren weiter. An einem schönen Fluss, mit leider total versifftem Zugang, machten wir Halt, um unseren Vierbeinern Ausgang ohne Touristen und aufdringlichen Strassenhunden zu gewähren.
Über zwei Pässe gings, mit herrlichen Serpentinen und toller Aussicht und bei der Abfahrt entdeckten wir einen Holperweg, der zum Flüsschen Bistritz führte.
Da bleiben wir mal zwei Nächte, etwas Ruhe tut gut… da haben wir uns aber etwas verkalkuliert … es fahren ständig wieder Autos vorbei, die Insassen mit neugierigen Blicken. Ein Auto hält an, der Fahrer ruft uns was zu. Also schauen wir was er will… ach natürlich, da hat es Romas.. der Vater bittet auf gut Französisch um etwas Nahrung für sein Kleinkind. Na ja dann suchen wir doch mal was zusammen, viel gibt unser Vorrat zwar nicht mehr her, aber die Milch und paar andere Nahrungsmittel nimmt die Familie gerne an und der grössere Junge freut sich über ein Paket Guetzli. Ich leg noch einen 5 Lei Schein drauf.
Sie bedanken sich höflich und betteln nicht weiter.
Weiter unten richtet sich eine Schar junger Erwachsener, zu einem kleinen privaten Festival, ein. Jedenfalls hört man noch lange die BumBum Musik und Gelächter.
Eine Herde Rinder besucht uns und umringt neugierig das Womo, ich verscheuche sie paarmal und wir bringen die Hunde und Castello in Sicherheit der „Burgmauern“.
Zum Glück verzogen sich die Hornviecher bald auf die andere Strassenseite, die Monschterburg war denen nicht interessant genug.
Dann war die Nacht sternenklar, dunkel und recht ruhig.
Heute Morgen dann, nach dem Frühstück, die nächste Roma Familie, sie boten uns eine Schachtel mit Steinpilzen zum kaufen an.
Na bei Steinpilzen kann ja nicht viel schief gehen, zwar wollte ich paar aussortieren da sie teilweise verwurmt waren, einen Preis nannte sie nicht, die 10 Lei fand sie aber doch zu wenig so gab ich ihr 20, dann bettelte sie noch um Essen für die Kinderschar, da gab es aber nur noch kleine Reste, ein halbes Paket Haferflocken, 1 Sack Gries doch die Milch hatten wir ja schon gestern geopfert, das restliche Brot vom Frühstück und Tortillachips verzehrten die Kinder. Etwas unzufrieden über die Ausbeute zog die Mutter mit ihren Kindern ab.
Heute ist Sonntag und wir bemerken den Unterschied zu Estland… drei Familien mit Kindern sind eben an “ unserem “ Picknickplatz zugefahren, die Kinder springen schon jauchzend im Flüsschen rum, während die Erwachsenen Decken ausbreiten, Feuerholz hacken und das Picknick bereiten.
Wir sitzen gemütlich am (etwas gewöhnungsbedürftigen und originellen) Tisch mit Bank. Frau muss sehr achtsam sein mit Sachen auf den Tisch legen, doch wir sind ja einfallsreich😂.
Die vielen Autos mit Romas patrouillieren indessen fleissig, frage mich, was das für einen Sinn macht.
Wir geniessen jedenfalls das sonst idyllische Plätzchen, das einem fast in der Schweiz vermuten lässt. Die Temperatur ist da sehr angenehm, das sanfte Lüftchen und die Schatten spendenden Tannen sind herrlich!
Nun mach ich mich anzs eisgekühlte Wassermelonen aufschneiden.
Wir sind hier oben ohne jegliches Telefon/Netz, die Tracker funktionieren nicht, der Huawei Router mit Prepaid gibt kein Internet her und ich bin nun mal ums Sat Internet von Filiago froh.
Mal sehen wie die Fotos durch gehen…

Nachtrag:
Und wie wir so unsere Melone geniessen, kommt der eine Mann mit einer Riesen Platte Kartoffeln und Grillfleisch zu uns rüber und bedient uns, danach noch einer und zum Schluss noch eine Frau. Inzwischen sind es 6 Familien teilweise gemischt aus Italien. Es war mir doch, dass ich Italienisch raus höre!

Und so geht es dann: den einen geben und von den andern bekommen. Schön❤️

Fotogalerie:

Nach nun zwei Stunden Versuch Fotos zu laden und einem etwas heftigen Sturz auf die Schnauze, über Steine und Gestrüpp, geb ich es für heute auf und verschieb die Fotos auf besseres Internet!

Kommentar verfassen